Es ist wie auf der Achterbahn: Wir kommen dank einer heroischen
Aufholjagd gegen PSG weiter ins Viertelfinale. Für dieses wird uns Chelsea
zugelost und unsere Enttäuschung ist riesig, weil wir davon ausgehen müssen,
dass das Spiel in London vor leeren Rängen stattfinden muss. Aber doch nicht:
Grünes Licht, 18 Mitglieder gehen an die Stamford Bridge und sehen eine
Top-Leistung von Real Madrid inkl. Besuch der Spieler beim Gästesektor – ein
Bild mit Seltenheitswert. Das Rückspiel dann wird zur Zitterpartie, aber ein
beherzter Auftritt besiegelt den Halbfinaleinzug. Danach hiess es erstmals
zurücklehnen, bis die verhassten Indios und die neureichen Scheich-Kicker aus
Manchester gegeneinander antraten, in etwa wie die Pest gegen Cholera. Als am
späten Mittwochabend feststand, dass die mit Geld vollgepumpte Mannschaft der
Schlange Guardiola eine Runde weitergekommen ist, konnten die
Flug-Suchmaschinen angemacht werden, denn es stand fest: Nach Paris und London
wurden die Segel für eine Reise in den Norden Englands gehisst: AUF NACH
MANCHESTER!
Noch vor 2 Jahren musste diese Partie aufgrund der prekären Corona-Lage ohne Zuschauer stattfinden. Doch dieses Jahr konnte uns nichts und niemand davon abhalten, die Stadt der roten Ziegelsteinbauten zu erobern! Und so reisten 14 tapfere Madridistas mit dem Flugzeug nach Manchester. Einige von ihnen hatten ein wenig Pech und verpassten dank eines massiv verspäteten Easyjet-Flugs das gemeinsame Singen und Trinken in der Oyster-Bar, sowie den anschliessenden Marsch zum Stadion. Doch nicht mal die zum Verzweifeln langsame Eingangs- und Sicherheitskontrolle konnte den gutgelaunten Madridistas etwas anhaben. Im Auswärtssektor erwarteten sie Hunderte von Gleichgesinnten. Der Sektor wurde zum Tollhaus und spätestens da wusste das Inselvolk, dass die Könige von Europa bereit waren, ein weiteres Territorium zu erobern, und dass Wikinger eben nicht immer aus dem Norden, sondern manchmal auch aus dem Süden auftauchen…
Im Gegensatz zu uns waren unsere Spieler aber leider
offenbar noch nicht ganz bereit. Der Start wurde komplett verschlafen, schnell
stand es 2:0 für die Hellblauen und so mancher dachte sich mit dem Schrecken im
Gesicht: Heute gibt’s eine richtige Wasche! Aber offenbar ist nicht bis in den Norden
Englands vorgedrungen, dass der Gegner aus Madrid ein etwas anderer ist als
noch vor wenigen Tagen. Denn RMCF ist nicht nur für Titel, sondern auch für
Comebacks bekannt. Hier waren nicht irgendwelche Indios auf dem Platz, hier
waren Spieler am Werk, die für ihr Trikot und ihr Wappen kämpfen wollten. Und
das taten sie dann auch! Obwohl Manchester weiterhin das bessere Team war,
kämpften sich unsere Mannen mit einem sehenswerten Tor in die Partie zurück.
Nur noch 2:1 also! Und plötzlich kehrte der Wind etwas zugunsten der Wikinger...
Leider nur kurzzeitig: Die zweite Halbzeit begann wieder
nicht gut, und so leuchtete nach defensiven Fehlern auf dem Screen beim
Heimteam eine drei. Doch dieses Mal reagierten unsere Spieler endlich wie es
das Wappen verlangt: Von uns deutlich hörbar angepeitscht, suchten sie den Weg
nach vorne. Den fanden sie auch. Und wie! Vinicius liess mit einer
Körpertäuschung Fernandinho fast so alt wie Piqué aussehen und erzielte nach
einem herrlichen Lauf das 3:2. Der Auswärtssektor geriet da fast aus den Fugen
und wurde wieder zum 12. Mann. Die Achterbahnfahrt war aber noch nicht vorbei:
Es folgte wieder eine bittere 2-Tore-Führung für das Heimteam, welcher sich
unser RMCF wiederum entgegensetzte. Mit Erfolg: Laporte verwechselte kurzerhand
Fuss- mit Handball und dem Schiedsrichter blieb nichts Anderes übrig, als auf
den Punkt zu zeigen. Es folgten die bei von Guardiola trainierten Spielern
üblichen Schiri-Reklamationen, auch wenn der Fall glasklar war. Benzema –
zuletzt erfolglos aus den 11 Metern – nahm die Verantwortung auf sich, schritt
an, lief an und – OH MY GOD! – lupfte denn Ball doch tatsächlich mit einem
Panenka in’s Netz. Die zuvor noch so provokanten und vorlauten Inselaffen waren
plötzlich verstummt. Fortan hörte man nur noch ein lautes «como no te voy a
querer» im weiten Rund! Und auch nach dem Abpfiff wurde im Gästesektor weiter
gesungen und angefeuert. Denn wie die Spieler wussten wir bereits: schon jetzt
beginnt die Vorbereitung auf die Remontada von nächster Woche. Wir wollen ein
brennendes Bernabéu, 11 furchtlose Krieger und eine weitere magische Nacht, in
welcher der Finaleinzug perfekt gemacht wird. Denn wir wollen weiter in dieser
Achterbahn bleiben, bis wir in Paris angekommen sind!
HASTA EL FINAL, VAMOS REAL!