Mittwoch, 21. April 2021

Super League – als das Erlebte vor dem inneren Auge vorbeizog

Ich schreibe diese Zeilen an einem Mittwochabend um 22h01, während meine Mannschaft gegen Cádiz um drei immens wichtige Punkte kämpft (hoffentlich). Ich würde viel lieber meinen Klub spielen sehen, aber nach mehreren Tagen der Lähmung juckten plötzlich die Finger vor Schreiblust. Die erwähnte Lähmung geht nach zwei Tagen zu Ende, an welchen sich die Ereignisse überstürzt haben: Es hatte immer wieder Gerüchte gegeben, aber als dann die Europäische «Super League» angekündigt wurde, tauchten vor meinem inneren Auge Bilder vergangener Tage auf...

Es sind Momente, die ins Gedächtnis eingebrannt sind. Wie wir in Sofia, ein Tag vor dem Spiel gegen Ludogorets, mit einem Schwindel ins Stadion gelangt sind, und die Garderobe von RMCF mit Real-Stickern verklebt haben. Wie wir in Basel in einer Tunnelunterführung plötzlich die Polizei herbeiwünschten. Wie die Bengale in der Hand aufzischte und den Fanmarsch in Brügge auslöste. Wie wir in Istanbul auf dem Weg zum Gästeblock an die Blechwände hämmernd die Türken von Galatasaray erzürnten. Wie die Zugfahrt von Prag nach Pilsen immer wie witziger wurde. Oder die Aufregung, als sich 2008 der Bus von Bern nach Zürich in Gang setzte. Es war die erste Reise des noch nicht offiziell gegründeten Fanklubs.

Solche Momente wird es nie wiedergeben, das muss man sich selber eingestehen, auch wenn es schwierig ist. Mit den gleichen Freunden und Gleichgesinnten, den selben Gefühlen, den identischen Wolkenfeldern im Himmel, den gleichen Promille im Blut, dem gleichen «Ich» am gleichen Ort: Das ist unmöglich, auch wenn die Nostalgie einem etwas Anderes vorgaukelt. Aber die Hoffnung, wieder ansatzweise Ähnliches (vielleicht sogar noch Besseres?) zu erleben, die ist real. Und diese schwand in den Momenten der Geburt der Super League dahin. Denn mit einem solchen Format, bei dem die Elite des Fussballs weitgehend unter sich kickt, könnten wir die Hoffnung auf ein BSC YB – Real Madrid begraben. Wir würden nicht mehr mit glänzenden Augen die Auslosung der Gegner mitverfolgen, bereit, die passenden Flüge zu finden. Wir würden nicht mehr auf einer Karte nachschauen, wo Borrisow liegt

Nun gibt es natürlich auch Real-Fans, die nicht (oder nicht mehr) an Spiele reisen (können). Oder die die Spiele lieber im TV schauen. Ich respektiere das vollkommen. Jede/r lebt seine/ihre Leidenschaft zu RMCF in der eigenen Art und Weise aus. Doch will diese/r Fan tatsächlich immer wieder die gleichen Affichen sehen? Ab dem wievielten Male wird ein «Topspiel» zum Flop? Wo liegt der Anreiz in den unteren Plätzen der «Super League», noch zu kämpfen? Und wie kann eine solche Liga spannend sein, wenn «kleine» Klubs nicht einmal die Möglichkeit haben, zu den Sternen zu greifen und – zumindest theoretisch – die Königsklasse (oder eben Super League) auf den Kopf zu stellen?

Es ist nun 22h27 und meine Mannschaft spielt immer noch die erste Halbzeit. An einem Mittwoch. Da denke ich an all die heuchlerischen Funktionäre der UEFA, der FIFA und der spanischen Liga, die so tun, als würde ihnen der Fussballfan am Herzen liegen, als würden sie aus Liebe zum Fussball gegen diese Super Liga einstehen. Als würden Kinder oder erschöpfte Arbeiterfamilien an einem Mittwoch bis um Mitternacht mit einem bezahlten TV-Abo noch Fussball schauen können. Als ob der Besuch im Stadion vor Corona-Zeiten nicht bereits ein Luxus geworden wäre. Als hätten wir nicht alle gemerkt, dass beim Champions League Finale die UEFA einen grossen Teil der Tickets für sich behalten (am CL-Finale 2019, 35'800 von 69'000 Tickets!!) und an ihre Freier und Gläubiger verschenkt hat, die dann nicht alle gekommen sind, so dass grosse Löcher in den besten Zuschauerreihen klafften, während wir Fans verzweifelt im unbezahlbaren Schwarzmarkt wühlten. Als gäbe es ein für alle Klubs verbindliches Finanz-Fairplay, als gäbe es keine menschenrechtsverachtende WM in Katar, als gäbe es nicht immer wie mehr Spiele, um die Milchkuh Fussball bis auf den letzten Tropfen zu melken.

Nein, das wahrscheinliche Scheitern der Super League löst die Probleme des Fussballs nicht. Welches ist das grösste Problem? Die Gier. Sprich: Die UEFA, die FIFA, die Liga-Funktionäre, die TV-Kanäle und die Präsidenten grosser Klubs – und ich rechne RMCF mit ein – haben die Leidenschaft getötet. Sie haben nicht verstanden, dass Fussball mehr als 11 Spieler und ein Ball sind. Dahinter hat es eine Fanbasis, Gefühle und Stimmung. Diese Funktionäre wollten aber einen kontrollierbaren Fussball: Alles politisch korrekt, keine Provokationen, keine Emotionen, keine Spontanität. Nicht Fans, sondern Konsumenten (am liebsten Touristen), die im Stadion am Handy sind und Selfies machen. Die Leute sollen die Spiele im Pay-TV schauen und online Fanartikel bestellen. Und da die «Fans» auch auf anderen Kontinenten zuhause sind, muss ein globales «Branding» her, das Klublogo wird verschandelt und die Anspielzeiten versetzt. Doch es ist der Fan, der das Wappen liebt, der den grössten Teil des «Spektakels» schafft, welches dann die Touristen anzieht, die Gutbetuchten in die VIP-Logen lockt und für Zuschauerzahlen im TV sorgt. Spektakel heisst Stimmung, Hexenkessel, Tifos, Auswärtsfans. Verrückte, die ihr ganzes Geld ausgeben, um ihrem Klub zu folgen. Fussball ist heute voll von fussballfernen Investoren, die die Preise anheben und nicht verstehen, dass sie damit den leidenschaftlichen Fan fernhalten. In ihrer Gier, schnelles Geld zu machen, zerstören sie den Fussball. Für sie ist das kein Problem, sie investieren dann in etwas Anderes. Uns lassen sie als Waisen in den Trümmern zurück. Denn wir können nicht in etwas «Anderes» investieren, wir wechseln Klub und Leidenschaft nicht aus.

Hoffentlich steigt nun der Druck der Strasse auf die Schergen des modernen Fussballs. Denn mit jedem Mal, bei welchem diese korrupten Funktionäre in unserem Wort sprechen, und so tun, als würden sie auf unserer Seite stehen, wird der Groll bei der Basis des Fussball – uns Fans – weiter wachsen. Ceferin, Tebas, Pérez, ein für alle mal: Ich will keine 1001 Topspiele. Ich will mit unserem Verein leiden, reisen und feiern; ich will einen günstigen Stehplatz ohne Nummerierung, und ich will mit meinen Freuden zur Halbzeit mit einem nicht-alkoholfreien Bier anstossen. Und das alles will ich auch für meinen Sohn. Denn ansonsten wird er meine Faszination für RMCF und Fussball kaum verstehen können. Dies allein ist bereits Grund genug, weiterzukämpfen und niemals aufzugeben.

So, und jetzt zurück zum Cádiz-RMCF, das an einem Mittwoch um 22h begonnen hat.

 

Hala Madrid!

Blogbeitrag von Mitglied D.R





Dienstag, 27. Oktober 2020

Saison 2019-2020: In allen Belangen einzigartig!

Schluss, Aus, Ende. Der Ball wird plötzlich unwichtig: Wir sind Meister nach einer so verrückten Saison, an welche wir uns noch lange erinnern werden. An eine Saison, welche für einige sich wohl gar nicht richtig als eine solche anfühlte.

Das Tifo in Istanbul aus der TV-Perspektive.

Dabei begann alles wie gehabt: Wir starteten voller Vorfreude in neue fussballerische Abenteuer, mit Siegen in der Liga und der Organisation der Reisen nach Paris, Istanbul und Brügge. Offerten von Carunternehmen wurden eingeholt, Brote belegt und Bier kühl gestellt. In Paris setzte es für Real eine klare 3:0 Klatsche. Hängende Köpfe bei der Rückreise im Car war die Konsequenz, doch viel Zeit zum Trauern blieb uns nicht: Am 22. Oktober erwartete uns Galatasaray in der geteilten Stadt am Bosporus. Für diesen Anlass realisierten 5 madridistas mit viel Fleiss und im Rahmen mehrere Nachtschichten eine Choreografie, die den Fanklub aus Bern weiter unsterblich werden lässt: Drohend Schwarz auf Weiss war Darth Vader aus Star Wars abgebildet; unter ihm unsere Ansage an die Mannschaft und an die ganze Welt: «El Imperio contraataca» - «Das Imperium schlägt zurück». Nicht nur wurde dieses Tifo im spanischen Fernsehen erwähnt, auch erhielten wir erneut viel Lob aus der Fanszene in Madrid. 

Von unserer Hingabe für RMCF beflügelt nahmen wir für das Spiel gegen Brügge erneut den Pinsel in die Hand und realisierten innert kurzer Zeit ein mächtiges Spruchband – «La leyenda blanca» – welches von silbernen und violetten Folien umrahmt wurde. Brügge war ein Fest: Hunderte von RM-Fans fieberten in diversen Bars der Kleinstadt trinkend, spassend und singend entgegen. Dann ein grosser Knall - das Signal zum Aufbruch! Nach einem mit Pyros umrahmten Fanmarsch ging es - mit dem Banner von berna madridista an vorderster Front - kamen wir zum Stadion, in welchem der Auswärtsblock zum Hexenkessel wurde (insbesondere nachdem ein Idiot uns mit einer katalanischen Unabhängigkeitsfahne provozierte). Das Endresultat stimmte, und wir beendeten das Jahr 2019 mit einer denkwürdigen Reise, an welche sich alle 15 Mitglieder, die dabei waren, immer erinnern werden. 

Auf nationaler Ebene war das Rennen Anfang 2020 spannend, doch es kam alles anders als erwartet: Am 8. März wurde der Stecker gezogen. Der Corona-Virus übernahm kurzerhand die Krone und dirigierte auch das Geschehen in der Welt des Fussballs. Fans aus Madrid starteten einen Spendenaufruf für die Unterstützung eines überlasteten Spitals in der spanischen Hauptstadt, welchem berna madridista mit 1'000 euro nachkam. Auch mehrere Mitglieder trugen privat zur Initiative bei. Ein grosses «Merci» an dieser Stelle. Wir haben Madrid in dieser schwierigen Zeit nicht alleine gelassen, das wird man dort nicht vergessen! Solche Initiativen sind bezeichnend für die Solidarität, die die Liebe zu einem Fussballklub schafft. 

In Bern blieb BM nicht inaktiv: Wir genossen die zwei traditionellen clásico-Essen, welche beide in der Berner Sportbar durchgeführt wurden, und eine rege Teilnahme fanden. Ebenfalls an der Aare fand die zweite Ausgabe der Copa berna madridista statt: freundschaftliches und zugleich ehrgeiziges Kicken, gemeinsames Biertrinken und tolle Preise – wir blicken auf ein erfolgreiches Turnier zurück, in welchem erstmals ein echter Pokal als Hauptpreis winkte, zusammen mit original RM-Fussbällen. Alle Teilnehmenden erhielten zudem eine BM-Trinkflasche als Souvenir. Wir freuen uns auf die nächste Ausgabe 2021 und hoffen, da neue Gesichter zu sehen, ob als SpielerInnen oder im Publikum!

Bis zum Schluss hatten wir gehofft, noch in der Saison 2019-2020 eine grosse Madrid-Reise zu organisieren. Mit dieser Reise hätten wir nämlich gefeiert, dass wir seit 10 Jahren (seit 2010) als offizieller RM-Fanklub anerkannt sind. Im Programm vorgesehen waren u.a. ein Abendessen mit einer Vertretung von Real Madrid, die Stadion-Tour, ein Liga-Spiel im Bernabéu und je nach Möglichkeit ein Spiel von Castilla oder der Basketball-Mannschaft. Wir hatten nämlich eine grosse Reise nach Madrid mit möglichst vielen Mitgliedern und einem tollen Programm geplant. Keine Sorge: Wir holen das nach! 

berna madridista wird auch weiterhin für Furore sorgen und eine aktive Fankultur leben. Davon kann uns auch ein Virus nicht aufhalten, denn wir sind bereits mit madridismo infiziert! 

Hala Madrid! Auf eine neue Saison! 

Fotoeindrücke 2019-2020:

Klein aber fein: BM in Istanbul


El Clásico in unserer Stamm-Beiz "Sportbar Bärn"


Das mini-Tifo in Brügge. 



Unsere Expedition in Brügge





Donnerstag, 17. September 2020

Copa Berna Madridista – das wichtigste Fussballturnier 2020


Nach einer erfolgreichen ersten Durchführung im Vorjahr, folgte diesen Sommer die zweite Austragung des schon bald stadt- und landesweit bekannten Fussballturniers. Auch beim diesjährigen Turnier durften wieder 6 auserwählte Mannschaften gegeneinander antreten. Die teilnehmenden Teams wurden aus mehreren hundert Bewerbungen sorgfältig ausgewählt und durften sich glücklich schätzen, in den erlauchten Kreis der Teilnehmer aufgenommen worden zu sein.

Um auch dieses Jahr wieder faire Bedingungen garantieren zu können, fiel die Platzwahl diesmal auf den Sportplatz Altenberg. Die Anlage könnte kaum besser liegen, kann man sich doch nach knochenharten Partien in der Aare erfrischen und sich das Blut von den Wunden waschen. 

Die Turnierorganisatoren von Berna Madridista – einem traditionsreichen, alteingesessenen Fussballunternehmen – trafen sich schon frühmorgens, um einen dem Turnier würdigen Rahmen zu verschaffen. Selbst Turnierdirektor Wille (welchem ein grosses Dankeschön gebührt, doch dazu später mehr) legte Hand an und unterstützte das einfache Volk tatkräftig. So schaute er, dass der Hopfensaft gut gekühlt wird, das Fussballfeld auf den Millimeter genau abgesteckt wird und die in perfektem Winkel zueinander stehen. Den auf Hochglanz polierten Pokal verstaute er sicher im Safe und wachte danach mit Adleraugen über ihn. Schliesslich reisten die besten Fussballer des Landes (wenn nicht sogar Europas) extra nach Bern, um diesen heiligen Gral in den Händen halten zu können.

Nebenbei wurde ein Festzelt aufgebaut, wo der aufstrebende Jung-Koch von "Paddy's FitMeal" sein Talent beim Burger-Braten unter Beweis stellen konnte und sich die hungrige Zuschauermasse zu verköstigen wusste. Leider waren auch bei diesem Anlass nur 1000 Zuschauer zugelassen, so dass wir unter rund 72‘000 Bewerbern die Tickets verlosen mussten. Dies tat aber der Motivation des eifrigen Kochs keinen Abbruch, welcher mit seinen ausgeklügelten Kompositionen zu begeistern wusste.

Um Punkt 10.30 Uhr scharten sich die Mannschaften in ihren edlen Trikots um das Podium des Turnierdirektors, welcher nun die Regeln verlas. Dabei liess es sich der Präsident von BM nicht nehmen, ein paar zusätzliche Worte zu verlieren. So liess er es sich nicht nehmen, den sichtlich gerührten Turnierdirektor Wille mit einem Sonderlob auszustatten. Das Publikum honorierte die Szene mit frenetischem Applaus. Er bedankte sich schliesslich auch bei den zuverlässigen und grosszügigen Partnern / Sponsoren, nämlich der Berner Sportbar, der Goal-Bar, dem Fitnessklub Level Up sowie des Restaurants Casa de España in Freiburg.

Kurz danach ging es bereits los und die ersten beiden Mannschaften kämpften um 3 Punkte und einen geglückten Turnierstart. Denn wie wir alle wissen: bei einem solch wichtigen und hochklassigen Turnierfeld ist es von grosser Bedeutung, mit einem positiven Ergebnis in das Turnier zu starten. Einige Traumkombinationen, Killer-Abschlüsse und schwindelerregende Pass-Stafetten später wurde das Turnier durch eine ausgedehnte Mittagspause unterbrochen. Die tapferen Krieger der einzelnen Mannschaften hatten so Zeit, ihre Blessuren vom medizinischen Staff behandeln zu lassen. Die Legende besagt, dass einige Spieler gesichtet worden seien, die sich mit gekühltem Gerstensaft zu kurieren versuchten. Die strenge Alkoholkontrolle bei den Spielern konnte dies dann glücklicherweise widerlegen und das Turnier konnte fortgesetzt werden.


In der Finalrunde wurde dann noch mal eine Schippe draufgelegt und die kaum zu bremsenden Zuschauer kamen in den Genuss von feinster Fussball-Kost. Es wurden Tunnel verteilt, Bälle schlugen im Winkel ein und einige setzten sogar zum Fallrückzieher an. So erstaunte es auch nicht weiter, dass bei Turnierende 3 Teams gleich viele Punkte hatten und die ersten beiden nur ein Tor Differenz trennte. 


Die überglücklichen Gewinner stemmten daraufhin den Pokal in die Höhe und feierten sich ausgelassen. Aber bei einem solch noblen Turnier gehen natürlich nicht nur die Gewinner glücklich nach Hause – Nein – da werden auch die weiteren Teams reichlich beschenkt. So erhielten alle Mannschaften einen Preis der verschiedenen Turnier-Sponsoren und reichlich Applaus der ausverkauften Tribünen. 

An dieser Stelle fand dann das Turnier sein Ende und Spieler als auch Zuschauer zogen zufrieden von dannen. Hierbei soll noch erwähnt werden, dass auch im nächsten Jahr eine Durchführung geplant ist. Anregungen könnt ihr per Brieftaube, Flaschenpost oder Kutsche übermitteln. Diese werden dann vom Turnierdirektor höchstpersönlich mit einem hochqualifizierten Experten-Team diskutiert. 

Auf eine weitere Copa Berna Madridista, auf ein weiteres Jahr Madridismo! Hala Madrid!



Samstag, 21. März 2020

Traditionelles Mitgliederessen beim «clásico»

Die Ausgangslage war klar: will sich unsere Mannschaft noch Chancen auf den (längst wieder einmal fälligen) Ligatitel wahren, so muss sie dieses Spiel gewinnen. Nach der unglücklichen und unnötigen Niederlage gegen das vom verhassten Pep trainierte Manchester City, musste die Mannschaft ein Zeichen setzen. Nicht auszudenken, wie die antimadridistas bei einer weiteren Niederlage – und das erst noch gegen die Gurkentruppe aus Barcelona – wieder aus ihren Löchern gekrochen wären. Nein, so einfach durften wir es den antimadridistas aus aller Welt nicht machen. Nein, so durfte eine Woche nicht beginnen. Und nein, es durfte nicht sein, dass uns die witzigen Arbeitskollegen die ganze Woche mit dummen Sprüchen eindeckten.

Um das alles abzuwenden, luden wir wieder zum traditionellen clásico-Essen ein. Für jene Mitglieder, welche nicht aus Bern sind, war die Anspielzeit sicher nicht ideal, für alle anderen aber eigentlich ein Pflichttermin. Was gibt es Besseres, als mit Gleichgesinnten in einer Bar, gutem Essen und Bier den Match zu schauen. Zusammen leiden, zusammen fluchen, zusammen singen und vor allem zusammen gewinnen! Nun gut, die Anwesenden wurden für ihr Kommen mit Tapas à discretion, Bier und allem was dazugehört belohnt.

Kaum hatte das Spiel begonnen, bemerkte man nicht nur den Spielern, sondern auch bei uns eine gewisse Anspannung. Real versuchte das Spiel zu kontrollieren und mit Bedacht anzugreifen, die besseren Chancen hatte jedoch Barsa. Das Spiel plätscherte relativ unspektakulär vor sich hin, so dass der Schluck aus dem Bierglas noch das Beste der ersten Halbzeit war. Nach dieser überschaubaren Leistung in den ersten 45 Minuten wussten wir aber, dass da noch etwas kommen würde, ja kommen musste!

Und wie wir alle gewusst und gehofft hatten, wurde es in der zweiten Hälfte rasant besser. Plötzlich lief das Angriffsspiel besser, direkter und wir spielten uns Chancen heraus. Barsa war nervös, wurde zu vielen Fehlpässen gezwungen und immer öfter wurde es vor dem Tor gefährlich. Nach etwas mehr als 70 Minuten spielte Toni Kroos einen Zuckerpass auf Vinicius, welcher dann den Ball mit etwas Mithilfe von unserem geliebten Freund Pique im Tor versenkte. Und plötzlich war Feuer in der Partie, Feuer im Stadion und auch ein wenig Feuer in der Sportbar! Als dann Marcelo mit enormem Einsatz und Kampfgeist Messi den Ball abluchste, seine Aktion bejubelte und das Publikum anheizte, war uns klar: das gibt heute einen Sieg! Madrid spielte weiter nach vorne und Mariano traf kurz nach seiner Einwechslung zum verdienten Endstand – 2:0!!! Die Zuschauer im Bernabéu applaudierten, und mit ihnen Cristiano Ronaldo, der wohl nur zu gerne selber mitgespielt hätte.

Mit dem Sieg in der Tasche und der zurückeroberten Tabellenspitze ging es für die mehr als 20 Mitglieder zufrieden nach Hause. So lässt es sich in die neue Woche starten, so kann es von uns aus 5 Montage am Stück geben, so macht das Ganze wieder richtig Spass. Und so reisen wir trotz einem 1:2 im Hinspiel dennoch zuversichtlich an’s Rückspiel nach Manchester!

Auf nach Manchester – zeigen wir auch in der Champions League, dass wir leben!

Hasta el final, vamos Real!!!!!





Samstag, 28. Dezember 2019

Ein Clásico wie ein Weihnachtsessen


Es muss schon ein bisschen merkwürdig wirken: Gerade lief man noch durch das menschenleere Berner Kirchenfeldquartier und folgte einem unscheinbaren und umzäunten Weg, als plötzlich die Bar, auf welcher ein schwarzer Bärenkopf prangt, aus dem Nichts auftaucht. Fackelähnliche Lampen erleichtern die Wegfindung und die breite Fensterfront erlaubt einen Blick ins Innere: Ein wohnlich eingerichteter Raum, welcher sich stetig füllt. Kaum betritt man den Ort, wird man von lautem Gelächter, Rufen und Gläserklirren begrüsst: Herzlich willkommen zum traditionellen clásico-Essen von bernamadridista.


Immer wenn in der spanischen Liga Real Madrid auf den FC Barcelona trifft, organisiert der Berner Fanklub ein Essen, an welchem die Mitglieder zum gemütlichen Beisammensein eingeladen werden und um das Spiel zu verfolgen. Zum zweiten Mal fand der Anlass in der Berner Sportbar statt, welche an diesem Abend um ein Vielfaches mehr madridistas beherbergte als Anhänger des Erzrivalen. Wir durften über 30 Mitglieder begrüssen und mit ihnen den Abend verbringen, immer bestens versorgt durch das Bar-Team. Der Event bedeutet nicht nur Mitfiebern, Fluchen und Fingernägel kauen, sondern erlaubt auch den Austausch untereinander. Gerade Mitglieder, denen es aus beruflichen oder privaten Gründen nicht möglich ist, viel an den von uns organisierten Reisen teilzunehmen, können so trotzdem einen wichtigen Teil zu einer aktiven Fangemeinschaft beitragen. Dabei wird über das laufende Spiel, über die allgemeine Situation von Real und über vergangene wie auch anstehende Reisen diskutiert. Wir nehmen in der Regel an solchen Anlässen auch Artikel aus dem hauseigenen Shop mit, über welcher man Artikel beziehen kann, welche man in keinem offiziellen Real Madrid-Laden findet: Stickers, Notizblöcke, Schals, T-Shirts und sogar Biergläser umfasst unser kleines Sortiment.

Dieser Anlass bildete einen schönen Abschluss eines erlebnisreichen Jahres, an welches wir uns immer erinnern werden. Obwohl es sportlich bei Real Madrid nur mittelmässig lief, sind wir dankbar über die zahlreichen Teilnehmer, welche sich für die gemeinsamen Reisen angemeldet haben, oder sogar ein Ligaspiel besucht und den Fanklub vertreten haben. Highlights bilden sicher die zwei Choreografien in Istanbul und Brügge, welche mit viel Aufwand realisiert worden sind und für eine Welle an Lob in der Fanszene in Madrid gesorgt haben. Auch begrüssen wir die ansteigende Zahl an madridistas beim clásico-Essen und setzen alles daran, dass wir diese erfreuliche Entwicklung beibehalten können. Gerade bei solchen Spielen lebt eine aktive Fankultur von Emotionen und vom Zusammensein.

Das ganze BM-Team wünscht einen guten Rutsch ins neue Jahr und freut sich auf die anstehenden Reisen und natürlich auch auf das nächste clásico-Essen!

Siempre Real, siempre Berna

Hala Madrid!

Brügge sehen und... SIEGEN!

Auch wenn die Ausgangslage in der Gruppe für uns schon klar war, so ging es für die Mannschaft doch noch darum, sich beim letzten Spiel mit einem Sieg für den Aufwand der mitgereisten Fans zu bedanken. Zudem sollten einige Spieler geschont werden – mit Blick auf die kommenden Auswärtsspiele bei Valencia und Barsa sicher keine schlechte Idee.
Durch diese Gegebenheiten nicht weniger motiviert, reisten 15 Madridistas nach Belgien, um dort in den Genuss von Bier und Fussball zu kommen. Belgisches Bier gehört nicht umsonst zu den besten weltweit. Doch dazu später mehr…

Nach einer kurzen Zugreise mit morgendlichem Bier und guten Gesprächen ging es von Bern nach Genf und von dort aus nach Brüssel. Ein tapferes Mitglied trat die Reise alleine an und nahm für die komplette Hinreise den Zug – Chapeau!
Nach kurzem Flug in Brüssel angekommen, wurde ordentlich Bier gekauft, um die erneute Zugreise auch mit Sicherheit überstehen zu können. Ein gewieftes Gruppenmitglied kaufte von der Gruppe unbeachtet noch ein bisschen Whiskey und etwas Cola, was gemischt ja ganz geniessbar sein soll. Auf der Hälfte der Zugreise wurde das eben genannte Gemisch unerwartet zur Degustation freigegeben und die Zugreise ging plötzlich wie im Eiltempo vorbei.
In Brügge angekommen – und nach kurzem Zwischenstop im Hotel – traf sich die Truppe aus Bern mit weiteren Madridistas in einer Bar. Es floss viel Leffe, es wurde geplaudert, und nicht wenige RM-Fans aus Madrid klopften uns auf die Schultern: Berna, ihr seid überall! In der Bar herrschte eine ausgelassene Stimmung und die trockenen, strapazierten Kehlen wurden fleissig mit Gerstensaft kuriert. 
Kurz nach dem Eindämmern verliessen wir die Bar und machten uns langsam auf den Weg zum Stadion, welches doch relativ weit ausserhalb der Stadt lag. Dies führte zu einem ausgedehnten Fussmarsch, auf welchem Laternen und Schilder mit Klebern verschönert wurden und der dunkle Nachthimmel in den Genuss von bengalischem Feuer kam. Die Polizei – Dein Freund und Helfer – machte für uns den Weg frei und sperrte ganze Haupstrassen. Hurra! Die Jungs aus Madrid sind da! 
Beim Stadion angekommen, ging es durch mehrere Sicherheitskontrollen hinein in den Gästesektor. Mit dabei: Folien und Spruchband für eine kleine Choreo. Nach dem Tifo in Istanbul nun also auch ein kleines in Brügge! «leyenda blanca» war zu lesen. Eine Hommage an unsere Geschichte, aber natürlich auch ein Seitenhieb auf die «leyenda negra» (wer sie nicht kennt, soll sie googeln). 
Die Partie begann und unsere Mannschaft hatte zu Beginn leichte Schwierigkeiten, welche dann mit Fortdauer des Spiels verschwanden. So konnte in der zweiten Halbzeit ein ungefährdeter Sieg eingefahren werden und wir, die Mitgereisten, wurden mit 3 Punkten belohnt. Im Auswärtssektor war die Stimmung gut und es wurde lautstark gesungen, was zwar einzelne Personen immer noch zu stören scheint und diese dazu bewegt, demonstrativ auf ihren Plätzen sitzen zu bleiben. Hier noch ein kleiner Tipp für Leute dieser uns etwas befremdlichen Spezies: in einem Fansektor wird gesungen und die Mannschaft unterstützt. Wer es lieber komfortabel und kuschlig mag, soll doch lieber zuhause bleiben oder sich nicht gleich in die ersten Reihen setzen, weiter oben hätte es jeweils ausreichend Platz. Wir sind ein Fanklub und leben einen aktiven Madridismo! Wir sagen nein zum langweiligen, überteuerten und bequemlichen modernen Fussball! 

Kurz vor Ende der Partie hatte eine Person auf der angrenzenden Seite des Gästesektors noch die glorreiche Idee, uns mit einer Katalanen-Fahne zu provozieren. Wir müssen ihr danken: Der Auswärtssektor wurde zum Tollhaus und wir feuerten unsere Mannschaft umso mehr an! 
Nach dem Schlusspfiff folgte ein uns schier endlos erscheinender Fussmarsch durch die Dunkelheit und ein eisiger Wind blies uns um die Gesichter. Glücklicherweise überstanden alle diesen Marsch – jedenfalls trafen wir uns alle am nächsten Mittag wieder zu einem letzten belgischen Bier! Bei einer gemütlichen Runde wurden noch einmal die Ereignisse des vergangenen Abends diskutiert, woraufhin wir dann wenig später zusammen nach Brüssel und in die Schweiz fuhren. Mit vielen neuen Eindrücken und bereits ein wenig Vorfreude auf die nächste Reise. Denn: nächster Halt Achtelfinale!
Berna Madridista – los de siempre! Hala Madrid!


Montag, 25. November 2019

Schuldig: Presse. Pfeifende Fans. Bale. In that order.

Credit: marselle @yesnocse

Es darf doch nicht wahr sein. Gerade als unsere Mannschaft zu funktionieren beginnt und der Punktezähler sich endlich in 3-er Schritten bewegt, als der Achtelfinal-Einzug gefestigt und die co-Führung in der Liga-Tabelle konsolidiert werden, da beginnt die grösste aller anti-Bale Kampagnen. Zufall? Wohl kaum. Sie wollen uns spalten, sie wollen uns schwächen, sie wollen uns stürzen sehen. Begreift ihr das nicht?

Aber fangen wir von vorne an: Erinnert ihr euch daran, als Bale nach Madrid kam und die Presse erfand, er habe eine Diskus-Hernie? Der Hang, ihn anzugreifen, hatte seinen Anfang genommen. Es folgten weitere Titelseiten gegen ihn und seine Verletzungsanfälligkeit, seine offenbar mageren Spanisch-Kenntnisse und sein Hobby, dem Golf. Wenn auch seine Leistungen nicht immer den Erwartungen entsprachen, und er zuletzt bei Wales spielte und siegte, bei RMCF jedoch verletzungsbedingt ausfiel – was tatsächlich ärgerlich stimmt – kann niemand leugnen, dass uns Bale zu vier glorreichen Champions League Titel verholfen und viele hervorregende Spiele bestritten hat. Natürlich hatte er einige Verletzungspausen, aber Modric etwa nicht? Natürlich gab es Wechselgerüchte, aber was ist denn mit Ramos und seinem China-Zirkus im Sommer? Natürlich stimmte manchmal der Einsatz bei ihm nicht, aber bei Isco etwa? Gab es jemals Pfiffe gegen Modric, Ramos oder Isco?

Merkt euch eins, Freunde: Jemanden, den die spanische Sportpresse vehement angreift, den gilt es in der Regel zu verteidigen. Und wen der Blätterwald in Madrid rühmt und lobt, den gilt es zu hinterfragen. Wollt ihr meine Meinung? Bale hat Scheisse gebaut. Auf jeden Fall. Statt diese Fahne, die Madrid vor aller Welt ins Lächerliche zieht, aufzuheben, hätte er sich an einer Pressekonferenz über die Journalisten-Geier lächerlich machen können. Aber der hölzerne Waliser (und auch sein Berater nicht) hat halt diesen Geistesblitz nicht. Der manchmal etwas passive Gareth hat sich auf seine Weise bei der Presse revanchiert. Dass sein Angriff nicht Real Madrid galt, da habe ich überhaupt keine Zweifel. Auch seine RM-Mitspieler rissen mit ihm am letzten Training Witze über die Golf-Stories von Marca, und als Bale im eigenen Stadion ausgepfiffen wurde (und zwar genau von jenen «madridistas», die nie die eigene Mannschaft anfeuern dafür aber Ronaldinho oder Messi beklatschen), und das Tor von Modric vorbereitete, gingen seine Kameraden zu ihm...

Auch ich werde aus Bale häufig nicht schlau. Es scheint, als hätte er es sich bequem in seiner Opferrolle eingerichtet, während RMCF auch nichts getan hat, um ihn zu verteidigen (womit auch dem feigen Schweigen des Klubs einen Vorwurf gemacht werden kann). Aber: Selbst der grösste Bale-Kritiker muss zugegeben, dass die spanische Presse eine Hexenjagd veranstaltet und mit ungleichen Ellen misst. Wusstet ihr, dass AS im Bernabéu mit einem Dezibel-Messer die Pfiffe mass, und stolz verkündete, sie hätten 87 Dezibel erreicht? Habt ihr bei diesem Zynismus nicht gleich Lust, Bales Trikot zu kaufen, mit der AS Hundescheisse aufzuheben und die Wiederholung des Tors UNSERER Nummer 11 in Kiew anzuschauen?

Es gibt nicht viel, was man im Bernabéu tut und sein lässt. Man feuert die Mannschaft an. Man beleidigt Barça und Atléti. Man pfeift nicht die eigenen Spieler aus. Man pfeift nicht die eigene Mannschaft aus. Und mir ist egal, ob Bale Golf spielt und kein Spanisch spricht: Wegen dieses Laufs gegen Barcelona beim Cup-Finale, wegen dieses Traumtors in Kiew, wegen dieser vier gewonnen CL in nur fünf Jahren und – nicht zuletzt – um der anti-madridista Presse eins auszuwischen: Ich stehe hinter Bale, wie hinter jedem der Spieler unseres RMCF, denn ich habe keine Zweifel, dass sie alle die richtige Reihenfolge kennen: SOLO. REAL. MADRID.