Sonntag, 28. Juli 2019

Was für eine Saison - in vielerlei Hinsicht

Verwöhnt vom süssen Erfolg der erneuten Titelverteidigung in der Champions League starteten wir am 15. August 2018 in ein neues Abenteuer. Der Auftakt bildete an jenem Tag der UEFA Super Cup und dabei ausgerechnet gegen unseren Stadtrivalen! 2-1 lagen wir vorne, bevor Atléti ausglich und schliesslich das Spiel mit 4-2 für sich gewinnen konnte. Ein böses Omen? Auch abseits des Feldes hatte es ein paar Änderungen gegeben: Nach dem Rücktritt von Zidane bekleidete Lopetegui neu den Trainerposten. Weiter hinterliess der Abgang des grossen C. Ronaldo – der uns so viel Ruhm eingebracht hatte – nach Italien sichtbare Lücken, wie sich später herausstellen würde. Auch im Lager der Torhüter wurden die Karten neu gemischt, als Courtois von Chelsea neu das königliche Trikot überstreifte. Ansonsten ahnten viele von uns, dass das Beibehalten des erfolgsgesättigten Kaders die falsche Wahl ist.
Wir als Fanklub starteten mit über 230 Mitgliedern – davon sehr viele langjährige – und freuten uns auf die gemeinsamen Reisen und Aktivitäten. Der Anfang bildete das Abenteuer in Pilsen, als 19 madridistas in der Doosan-Arena unsere Mannschaft anfeuerten und einen 2-1 Sieg miterleben durften. Erfreulich für die Mitgereisten war die Tatsache, dass Pilsen eine sympathische Abwechslung bedeutete, da Orte wie Dortmund, München oder Turin von uns schon viele Male besucht worden waren. Ein besonderer Erfolg verbuchten wir durch das Realisieren einer Choreografie im Auswärtssektor, mit welcher wir unseren Ruf in Madrid beim Klub und in der Fanszene weiter verbessern konnten.
Die durchzogene Leistung von Real (5-1 Klatsche im Clásico, Schwächeln in der Liga und Niederlage gegen Moskau) führte zur Entlassung von Lopetegui und der Neuanstellung von Solari. Man erhoffte sich mit einer frühen Korrektur die Saison noch in die richtige Richtung lenken zu können. Es würde sich jedoch zeigen, dass der Fehler vielmehr in der von der Klubführung versäumten Planung lag.
Als nächstes stand Rom auf dem Reiseprogramm und mehr als ein Dutzend von uns machte sich auf den Weg in die ewige Stadt, wo ein weiterer Sieg gefeiert werden konnte. Während die Leistungen im eigenen Land weiterhin nicht besserten, konnte man doch auf eine spannende Champions League für Real hoffen. Wie wir uns da täuschten: Während wir auswärts im Gästesektor der Amsterdam Arena ausgelassen jubelten, bedeutete das Rückspiel in Madrid der Untergang in Form eines Debakels. Was blieb war die Liga und der Cup.
Nach der zweiten Niederlage gegen Barsa in der Saison wurde auch Solari entlassen und der König der Königsklasse Zidane kehrte zurück. Seine Rolle beschränkte sich jedoch mehr auf das Durchbeissen bis zum von uns ersehnten Ende dieses Albtraums: Real Madrid lag in der Liga auf dem dritten Platz, schied im Cup im Halbfinale und in der Champions League im Achtelfinale aus. Und das Problem war eigentlich nicht das Ausscheiden an sich, sondern die Art und Weise, wie die Mannschaft ohne Herzblut diese Demütigungen schulterzuckend akzeptierte.
Doch wir blicken auf diese Zeit mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge zurück: Die teils miserablen Leistungen brachten uns an den Rand der Verzweiflung und wir können uns nicht daran erinnern jemals mehr geflucht zu haben als dieses Jahr. Doch dieser Tiefpunkt sehen wir als Neuanfang, als Phönix, der sich aus der eigenen Asche erhebt. Wir begrüssen den Abgang vieler Modefans nach dem Transfer von CR und der schlechten Saison von Real. So trennt sich der Spreu vom Weizen und wir freuen uns darauf, die neue Saison mit wahren madridistas in Angriff nehmen zu können.
Als letzter Akt des aktiven madridismos der Saison fuhr eine kleine, aber äusserst motivierte Gruppe von Mitgliedern, begleitet von Fans aus Madrid und sogar Buenos Aires, nach Valladolid. Es war ein kurzweiliges Abenteuer, welches uns aber immer in Erinnerung bleiben wird: Die Fahrt im Car war dabei genauso ausgelassen und laut, wie es später auch in einigen Bars in Valladolid zu und her ging. Diese Reise an ein Liga-Spiel diente nicht nur um einen neuen Ort kennenzulernen, sondern auch um unsere Forderung an den Klub zu stellen: Mahnend hing unser Banner am Anfang des Spiels mit dem Text «MÁS REGUILÓN» im Auswärtssektor. Das vorbildliche Verhalten des Spielers Sergio Reguilón (inzwischen ausgeliehen an Sevilla) führte uns vor Augen, dass immer noch Gladiatoren existieren, die das Wappen wie Löwen verteidigen. Unser Spruchband sollte andere Spieler daran erinnern, dass das Wappen das Wichtigste ist.
Ein weiteres Highlight bildete diesen Sommer das erste offizielle berna madridista-Turnier, welches in Bern stattfand. Bei prächtigem Wetter traten insgesamt sechs Mannschaften gegeneinander an. Unsere Sponsoren ermöglichten es uns, tolle Preise vergeben zu können. Besonders stolz sind wir dabei auf das BM-Trikot, welches von uns designt und produziert wurde. In keinem überteuerten RM-Fanshop lässt sich aktiver und aufrichtiger madridismo kaufen, merkt euch das werte Freunde. Auch liessen wir ein BM-on tour T-Shirt produzieren, welches alle Reisen abbildet, die wir in den letzten 10 Jahren unternommen haben. Auch im nicht-textilen Bereich waren wir fleissig: Seit Ende 2018 verkaufen wir Biergläser à la Berna. So schmeckt Bier mindestens doppelt so gut… haben wir gehört.
Am Turnier vermissten wir sehnlichst Humberto. Er wäre ganz sicher dabei gewesen. Im November im besten Alter von uns gegangen, hat er eine riesengrosse Lücke im Fanklub und unseren Herzen hinterlassen. Humberto, wir werden dich nicht vergessen! Weder bei den nächsten Auswärts-Abenteuern in der neuen Saison, noch bei den vielen geplanten gemeinsamen Aktivitäten. Der Fanklub trug für die Beerdigung einen Blumenkranz bei, um «Humbi» die letzte Ehre zu erweisen.
Die Saison 2018/2019 kurz und knapp: 122 Tickets wurden für Heimspiele über den Fanklub bezogen. Dabei waren gemässigte Spiele wie gegen Alavés dabei, packende wie gegen Valencia und sogar Kracher wie gegen Atlético oder Barcelona. 60 Mitglieder reisten an die Champions-League Auswärtsspiele und legten dabei eine Gesamtstrecke von 8'827 Kilometer zurück (ca. die Strecke Bern – Kapstadt, Südafrika). Weiter wurden über unser Tippspiel zahlreiche Preise verlost und beim SRF-Tippspiel konnten drei glückliche Gewinner tolle Preise abstauben, unter anderem ein von Nacho Fernández signierter Fussballschuh und zwei Tickets für ein Heimspiel nach Wahl. Auch wurden wieder die zwei traditionellen clásico-Essen durchgeführt, bei welchen alle Mitglieder vom Fanklub zum Essen und Trinken eingeladen wurden. Einmal gab es eine köstliche Paella in der Galaxy-Bar und einmal wurden leckere Burger in der Berner Sportbar geschlemmt.
Genug in alten Zeiten geschwellt, denn die Zukunft ist rosig: Auf in eine erfolgreiche und ruhmvolle Saison 2019-2020! Hala Madrid!














Dienstag, 18. Juni 2019

Copa Berna Madridista 2019


Die Anfänge von Berna Madridista datieren aus dem Jahr 2008. In den bisherigen 11 Jahren hat es alles Mögliche gegeben: Unzählige Reisen an Auswärtsspiele (per Bus, Flugzeug, Auto, Kleinbus,...), mehrere stolze Choreos, unzählige Anlässe bei besonderen Spielen, unzählige Kater, viele Tränen, ein Dutzend leidenschaftlich zerborstene Flaschen, viele fröhlich leuchtende Bengalen, ein paar knallende Petarden, viele strahlende Tippspiel-Gewinner, ein paar enttäuschte Verlierer, viele Ab- und Zugänge (Letztere stets in der Überzahl), viele hauseigene Artikel, und vor allem: viel viel Herzblut. Aber etwas gab es bisher noch nie. Und es war höchste Zeit, dies zu ändern. Und so fand am 16. Juni 2019... das erste Fussballturnier von Berna Madridista statt!


Nach einem gewitterhaften Samstag, der die Organisatoren etwas zittern liess, erwachte der Sonntag mit den Strahlen einer warmen Juni-Sonne, die bald den perfekt geschnittenen Rasen des Sportplatzes gleich gegenüber des Marzili-Bads in Bern trocknen würde. Zum Teil mit Augenringen im Gepäck, aber überaus pünktlich, trafen dann die Spieler (und zwei Spielerinnen!) der sechs Mannschaften ein. Neugierig beäugten sich die Mannschaften, und immer wieder offenbarte ein Freudenschrei, dass zwei Bekannte sich unverhofft am gleichen Turnier befanden. Was fanden die sechs Mannschaften vor? In Kisten voller Eis kaltgestellte Bierflaschen, armlange und leckere Sandwiches (danke Ingo!), kostenlose Früchte und Riegel sowie ein spektakuläres Spielsystem!

Und so rollte ab 10 Uhr der Ball im ersten Gruppenspiel. Die je drei Mannschaften in den beiden Gruppen kämpften in 13-minütigen Spielen um jeden Punkt, massen sich dann in Playoffspielen und kämpften danach in zwei neuen Gruppen jeweils entweder um Rang 1 oder um Rang 4. Dass es allen um was ging, merkte man rasch an wütenden Protesten beim Schiedsrichter, den lauten Jubelschreien nach einem Tor oder dem Hände-Verwerfen nach einer vergebenen Chance. Und doch: Es ging sehr fair zu und her, es gab keine schlimmen Fouls, abgesehen kleinerer Blessuren keine Verletzungen, keine gelben oder roten Karten und auch keine Schwalben – wir sind ja schliesslich nicht vom FC Barcelona. Von letzterem Klub meldete sich übrigens kein Fanklub an. Mag sein, dass das erneute Scheitern in der nur wahrhaft Grossen vorbehaltenen Königsklasse tiefe Wunden hinterlassen hat...


Am Ende des Turniers gab es – wie generell in der Natur, und wie ganz ausgeprägt beim Madrider Derby – Gewinner und Verlierer. Die Erstplatzierten – die Level Up Auswahl – liefen mit einem BM-Pack (inkl. der Mitgliedschaft 2019-20 bei BM) vom Platz. Die Zweitplatzierten („Weg nach London“) werden bald mit ihren von der Berner Sportbar (https://sportbarbern.ch/) gesponserten Gutscheinen fein essen gehen. Und die Viertplatzierten, die Mannschaft Real Madrid, erhielten von der Goal-Bar (https://www.goalfussballbar.ch/) Bier-Gutscheine und tolle T-Shirts. Für die Letztplatzierten (Hideout CF) gab es eine vom Fitnessstudio Level Up (https://levelupfitness.ch/) gesponserte Motivationsspritze – mit etwas Training sieht es an der nächsten Copa BM ganz anders aus!

So oder so ging niemand mit leeren Händen (und schon gar nicht mit leerem Magen oder Durst) nach Hause: Die zwei Berna Madridista Teams durften das erhaltene und frisch hergestellte BM-Trikot gleich behalten, und alle anderen werden in Zukunft aus dem edlen berna madridista Kelch Gerstensaft schlürfen. Aber das Turnier, so wurde uns inmitten der guten Stimmung vielseitig versichert, sei auch ohne diese grosszügigen Gesten ein Highlight gewesen. Und so sind wir auch trotz dem relativ grossen Aufwand und ohne falsche Bescheidenheit überzeugt: Die Copa Berna Madridista soll es auch 2020 wieder geben, und – wer weiss – vielleicht wird sie ja sogar zu einer festen Grösse im Berner Sommerloch.

Grosser Dank an unsere Sponsoren, grosser Dank an die Teilnehmenden, und bis zum nächsten Mal...

HASTA EL FINAL, VAMOS REAL! 


 

Sonntag, 26. Mai 2019

Amsterdam: Immer eine Reise wert


Voller Vorfreude reisten gut 20 unserer Mitglieder nach Amsterdam – endlich mal ein anderer Gegner und eine andere Destination, dachten sich wohl die meisten von uns. Denn die letzten zwei Reisen des Fanklubs in die holländische Stadt der Sünden fanden im November 2010 (0-4) und im Oktober 2012 (1-4) statt. Für einmal bescherte uns das Los also nicht die in den letzten Jahren üblichen Kontrahenten BVB, Bayern München oder Schalke. Nein, mit der AmsterdamArena sollten wir endlich wieder mal ein Stadion (und eine Stadt) zu Gesicht kriegen, welches die meisten noch nicht in- und auswendig kannten. Ein paar kannten sich jedoch dann doch verdächtig gut in der Innenstadt aus...

Die Anreise konnte leider nicht von allen gemeinsam angetreten werden. Aber spätestens bei der Ticketabholung beim von Real Madrid gewählten Hotel lief man sich erstmals über den Weg. Mit dem Ticket in der Tasche und der Aussicht auf Bier und Gesang machten wir uns auf in Richtung der Temple Bar, welche zuvor als Treffpunkt für Madridistas bestimmt worden war.

So wurden die Stunden vor dem Spiel mit viel Bier, Gejohle und Fussballphilosophie überbrückt. Bald zierten Dutzende unserer Stickers das Lokal, und wenn drinnen und draussen lautstark Lieder angestimmt wurden, flog auch mal ein Bierglas durch die Taberne. Nach vielen Stunden und noch mehr Gerstensaft machte sich die Gruppe fröhlich auf den Weg zum Bahnhof, wo wir die Bahn zum Stadion nehmen mussten. Während der Fahrt stimmten auch die Ajax-Fans aus voller Kehle diverse Lieder an und zeigten uns damit, dass nicht nur wir heiss auf den Match sein würden.

Im Stadion angekommen wurde unser Banner ganz oben unter dem Stadiondach befestigt und schon kurz danach liefen die beiden Mannschaften ein. Die Holländer schwanken ihre weissen Fähnchen und sangen lautstark ihre Hymne – eine tolle Atmosphäre!

Aber auch bei uns im Gästesektor war die Stimmung gut, wir peitschten unsere Mannschaft nach vorne. Zuerst mit mässigem Erfolg, denn Ajax war die spielbestimmende Elf und kam zu einigen gefährlichen Möglichkeiten. Umso lauter wurde gefeiert, als Benzema nach einer hervorragenden Vorlage von Vinicius herrlich vollendete und den Gästesektor in Ekstase versetzte. Eine Fackel wurde gezündet und die Stimmung im Gästesektor wurde noch explosiver.

Der Ausgleich der Holländer wurde mit Bier weggespült (zum Glück gibt’s ja wieder richtiges Bier in der Champions League) und schon bald ging’s in die Schlussphase, in welcher uns Asensio ein zweites Mal jubeln liess. Das Stadion verstummte, wir schrien uns die Seelen aus dem Leib und feierten den nächsten Sieg in Europa. Wir konnten damals ja noch nicht wissen, was uns das Rückspiel bringen würde...

Und so, ohne zu ahnen – oder vielleicht ein wenig – dass diese Saison im Mülleimer landen würde, und unser einziger Trost die Niederlage Barcas gegen Liverpool sein würde, zogen wir alle fröhlich und selbstbewusst Richtung Innenstadt, wo der eine oder andere sicherlich noch um die (rot belichteten) Häuser zog und sich ein letztes Bier – oder sonst was – gönnte.

Nach dem Spiel in Amsterdam war RMCF bereits über 1'000 Tage am Stück der König Europas. Wir wissen nun, dass dieser Zähler beim nächsten CL-Finale angehalten wird. Und doch können wir stolz sein auf unseren Klub, für welchen wir jede Saison so viele Kilometer zurücklegen.

Und so können wir die neue Saison kaum erwarten: Siempre madridistas!

Donnerstag, 14. März 2019

Jetzt, jetzt ist der Moment!

Es ist alles verloren. In einer Woche wurden alle unsere Alpträume wahr: Zuerst das erbärmliche Ausscheiden vor eigenem Publikum und gegen den Erzfeind in der Copa del Rey. In der Berner Sportbar war die Stimmung selten schlechter. Dann, wieder zuhause und wieder gegen Barcelona, ein 0-1 welches die Chancen auf die Meisterschaft auf ein Minimum reduzierten. Trotz der sportlichen Mängel blieb da noch ein wenig Hoffnung auf unsere Königsdisziplin, die Chaaaampions. Nach dem Hinspiel-Sieg, und angesichts der Dominanz auf dem Kontinent, glaubten wir alle, dass mit einem sportlich mittelmässigen aber beherzten Auftritt der Einzug in das Viertelfinale gelingen würde. Aber nein: Vor heimischem Anhang das nächste Fiasko. Adiós Copa, ciao Liga, byebye Champions League. 

Während der Journalismus-Blätterwald unter den freudigen Flügelschlägen der vielen As-Geier Reporter – die sich als objektiv geben, aber Real Madrid wegen seinem Glanz regelrecht hassen – raschelte, verliessen unten durch die ersten Ratten das Schiff. Einige davon waren bereits letzten Sommer mit C. Ronaldo nach Turin gegangen. Aber viele zeigten sich erst jetzt. Endlich, umso besser.



Wenn das Imperium strauchelt, dann freuen sich so manche. In der Goal-Bar spürten wir viel Schadenfreude. Aber trotz all dem Gelächter war der Geruch nach angestauter Galle nicht zu überriechen. Schlägst du auf dem Weg zur Arbeit die 20 Minuten auf, erkennst du, wie RMCF auch in der Schweiz viele Journalisten glücklich gemacht hat. Bei der Arbeit, das Grinsen. „Louft bi Real, hä?“, begrüsst dich der Kollege, der Mal Liverpool „cool“, mal PSG „geil“ und natürlich immer Barça „sympatisch“ findet, aber nach zwei Live-Spielen im Stade de Suisse bereits zuvorderst in der Meisterfeier Selfies schiesst. „Wieso habe ich auch nur gesagt, dass ich madridista bin?“, fragst du dich da. Zu spät. Und wenn dann noch der Vorgesetzte einen Klugscheisser-Kommentar von sich gibt, fragst Du Dich ernsthaft, ob es sich nicht lohnen würde, ihm auf die Füsse zu spucken, einen Schrank von der Wand zu reissen und zu gehen, anstatt eine politisch korrekte „Mä cha nid immer gwinne“ Antwort zu murmeln.

Doch die schlechte Laune lichtet sich, und 8 berna madridistas machen sich auf nach Madrid, wo auch das Basket-Spiel gegen Fenerbahce gewonnen wird. Zusammen mit 5 madridistas aus Argentinien und 8 Jungs aus Madrid trifft man sich dann am Sonntag 10. März vor dem Santiago Bernabéu. Hä? Ist doch Auswärtsspiel? Genau. Und ist doch nichts mehr zu gewinnen? Gerade darum. Es ist Mittag, es ist sonnig, aber ziemlich menschenleer. Den meisten ist noch die Müdigkeit anzumerken – am Vortag gab’s ein gemeinsames Nachtessen im madridista Restaurant „Viejo Chamartín“ und dann das übliche Programm. Trotzdem wandert eine namhafte Anzahl Bierdosen in den gebuchten Kleinbus. Es wartet eine 3-stündige Fahrt: Ab nach Valladolid.

Valladolid? Das war einmal die Hauptstadt des Königreich Kastiliens, und während 6 Jahren sogar ganz Spanien. An diesem Sonntag gleicht sie eher einem Provinznest, das kalt auf einer Hochebene thront. Zwei wenige Meter von einander entfernte Tabernen werden in Beschlag genommen und ihr Tagesumsatz gleich vervielfacht. Dann geht es singend und Sticker klebend zur Ticketabholung und dann zum Stadion José Zorrilla. Nach Diskussionen mit den stets äusserst unhöflichen spanischen Polizisten müssen wir unser Lager im oberen Teil des Auswärtssektors aufschlagen. Zuvor wird jedoch beim Eintritt der Mannschaften ein Spruchband entrollt: „Más Reguilón“. Mehr Eier, mehr Leidenschaft, mehr Klubliebe verlangen wir.

Finde Berna :D
Dann beginnen 90 Minuten ununterbrochenes Singen. Auf die Wand schlagend, zuletzt fast nur noch krächzend. Obwohl das kalte Stadion im Volksmund „die Lungenentzündung“ heisst, sind alle bald ohne T-Shirt. Der Real-Sektor macht (schüchtern) mit, viele Valladolid-Fans (denen wir einen Verbleib in der Primera División wünschen) schauen uns fassungslos an. Ihr aus Bern? Hier? Jetzt?? Ja, Freunde, jetzt, genau jetzt ist der Moment dafür.

Als beim Schlusspfiff die Spieler grüssen kommen, singen wir stoisch weiter über unsere Liebe zum Klub. Die Spieler sollten längst verstehen: Wir sind nicht ihretwegen gekommen, und das Resultat ist uns scheissegal. Wir sind hier, für das, was sie auf der linken Brust tragen.

VOLVEREMOS. 





 


Sonntag, 30. Dezember 2018

2018: Kein gewöhnliches Jahr!


Wo sollen wir nur anfangen? Bei der Reise ans Achtelfinalspiel in Paris? Beim 0-3 Sieg in Turin, wo 65 Mitglieder von berna madridista das Fallrückzieher-Tor von CR7 aus nächster Nähe feiern konnten? Oder beim Champions League Finale in Kiew?

Beginnen wir in eigener Sache: 2018 haben wir zehn Jahre seit den Anfängen von berna madridista gefeiert. Anfänge, in denen wir gerade mal 5, dann 10, dann 20 und dann 30 madridistas waren, die während den goldenen Jahren Barças litten. Diese Zeiten sind vorbei. Über 230 Mitglieder zählen wir, und RMCF hält Europa seit Jahren mit eiserner Hand. Das 10-Jahre Jubiläum feierten wir mit dem Versand eines Jubiläumsschals, der Produktion von BM-Biergläsern sowie mehreren Events: Beim CL-Finale, anlässlich des Saison-Beginns, gegen Valladolid, beim letzten Derby sowie gegen Valencia mit hausgemachten Tapas, Empanadas und Sangria. Und natürlich fehlten auch die traditionellen Clásico-Essen nicht, zuletzt in der Galaxy-Bar mit einer feinen Paella.

Aus Sicht der Reiseaktivität war es wieder ein aussergewöhnliches Jahr: 19 von uns reisten an das Achtelfinale in Paris, in einem Moment, in dem alle dachten, Real würde gegen PSG untergehen. Doch Paris wurde geplündert und so reisten nicht weniger als 65 Mitglieder nach Turin, wo auch Juve dem Erdboden gleichgemacht wurde. Und wer gegenüber dem Klassiker gegen Bayern München Bedenken hatte... Unbegründet! 35 Mitglieder waren auch bei der Meisterung dieser Hürde dabei! Schon wieder im Finale. Zum dritten Mal in Folge, unglaublich! R. Madrid würdigte unseren Aktivismus und gewährte uns nicht weniger als 19 Tickets für das begehrteste Fussballspiel der Welt. Mehrere Mitglieder schauten den Match auf Grossleinwand im Santiago Bernabéu in Madrid, andere in Bern in der Beiz 44. Mit dem klaren Sieg gegen Liverpool kam der 13. Europa-Pokal. Dass wir der beste Klub der Welt sind, sollte nun wirklich bei jedem angekommen sein.

Ermüdungserscheinungen? Nicht bei uns! Die neue Saison 2018-2019 ging unvermindert aktiv weiter. Es reisten 19 madridistas in die Tschechische Republik, wo das Gruppenspiel gegen Viktoria Pilsen wartete. Mit einer kleinen Choreo im Gepäck, reisten die meisten mit dem Zug von Prag aus in die Kleinstadt. Und während ein waghalsiges Mitglied berna madridista in Moskau vertrat, gingen nicht weniger als 16 nach Italien, wo es einen 0-2 Sieg gegen die AS Roma und den Gruppensieg zu feiern gab. Was die Heimspiele angeht, war BM auch 2018 permanent im Santiago Bernabéu vertreten: Insgesamt 158 madridistas bezogen über den Fanklub Tickets für Spiele gegen fast alle Mannschaften der Primera División!
 
Es ist uns ein Anliegen, allen Mitgliedern für ihren Enthusiasmus, ihre Reisefreudigkeit und ihre Treue zu danken. Jahr für Jahr ist es eine Freude, mit langjährigen wie auch mit neuen Mitgliedern diese Leidenschaft für Real Madrid zu teilen.

Schliesslich möchten wir es nicht unterlassen, die zwei grössten Tiefschläge nicht nur des Jahres, sondern der gesamten Vereinsgeschichte, anzubringen: 2018 haben uns zwei grossartige Menschen, zwei tolle Mitglieder, zwei waschechte madridistas, auf schlimmste Art und Weise verlassen: Thomas und Humberto verunfallten beide tödlich mit dem Fahrrad. RMCF hat per Telegramm kondoliert, und wir drückten unser Beileid mittels Blumenkränzen aus. Wir hoffen, dass wir 2019 keine solchen Tragödien beweinen müssen. Passt alle auf euch auf, auf der Strasse und überall!

Und so schliessen wir 2018 ab, und freuen uns auf ein frohes, erfolgreiches und gemeinsames 2019, wo wir hoffentlich noch viele Abenteuer erleben und viele Titel feiern dürfen. Vergesst nicht: Wir sind einer der aktivsten RM-Fanklubs Real Madrids, und dies verpflichtet! Ab nach Amsterdam, ab nach Madrid und ab dorthin, wo unser RMCF sich neuen Hürden stellt. Wir können nicht aufhören, und nur wer unsere Leidenschaft teilt, wird dies verstehen können.

¡HALA MADRID!
BERNA MADRIDISTA – MADRIDISMO ÁCTIVO


Freitag, 21. Dezember 2018

Rom, wir, die Totgeweihten grüssen dich!


Das römische Reich erstrahlte einst weit über die Grenzen Europas. Im Fussball-Europa, nein, in der Fussballwelt, ist es nun Real Madrid. Als dreimaliger CL-Sieger waren die Königlichen am 27. November 2018 der Favorit gegen die AS Roma – wie eigentlich in jedem Spiel der Königsklasse. Und so reisten insgesamt 16 (!) madridistas aus Bern trotz der zuletzt mässigen Leistung der Mannschaft recht optimistisch in die ewige Stadt. Optimistisch, ganz im Gegensatz der Sportpresse, die bereits ein mögliches Ausscheiden berechnete (und herbeiwünschte?).

Der Spieltag begann feuchtfröhlich im Zentrum Roms, denn Pasta und Pizza stellen einen hervorragenden „Boden“ für Gerstensaft dar. Schnell war eine geeignete Bar gefunden, wo mit Fans aus Madrid diskutiert, gelacht, Sticker ausgetauscht und auf das Spiel eingestimmt wurde. Ein paar Mitglieder gingen sogar noch an das U-19 Spiel, und feuerten den RMCF-Nachwuchs an. Und wenig später begann das Spiel zwischen den beiden anderen Klubs der Gruppe, CSKA Moskau und Pilsen. Und siehe da: Das kleine Pilsen gewann, und noch vor der Fahrt zum Stadio Olimpico war Real bereits für das Achtelfinale qualifiziert!

 
Im Stadio Olimpico war die Stimmung dementsprechend gut, auch wenn die RMCF-Fanschar leider in zwei verschiedenen Sektoren des Auswärtsblocks aufgeteilt war (was andererseits die Gelegenheit für tolle „hin und her Gesängen“ lieferte). Nach einer ersten, ausgeglichenen Halbzeit, ging RM mit einem Tor Bales in Führung und stürzte den Auswärtssektor in Euphorie. Und in der 59’ versetzte Gladiator Lucas Vázquez den Römern den Todesstoss. 

 22h45, Abpfiff. Es gewinnt wieder einmal der König. Real Madrid geht als Gruppenerster in das Achtelfinale. Und: Noch NIE ist Real Madrid in der Gruppenphase ausgeschieden. Aber natürlich.... Für die Sportpresse ist nicht das das Wichtigste: Trainer Solari soll sich mit Isco (der nicht aufgeboten worden war) verkracht haben. Die spanische Sportpresse hat sich wieder einmal als das entlarvt, was sie ist: Eine aus Aasgeiern, antimadridistas und frustrierte Seelen bestehende Branche. Dies wird sich wohl nie ändern. Genauso wenig wie die Tatsache, dass Real Madrid der beste Klub der Welt ist. Und so hat uns die Presse wieder einmal „totgeweiht“. Doch wie siegreiche Gladiatoren haben wir Rom lebendig und noch stärker verlassen, auf der Suche von noch mehr Ruhm und Ehre.

ADELANTE REAL MADRID, LOROLOLO, VAS A SER CAMPEÓN DE EUROPA!




 

Freitag, 30. November 2018

Immer bei uns


Er war stets gut gelaunt. Rauchend und trinkend, aber vor allem lachend und laut im Bus, der an die Auswärtsspiele in Basel oder München fuhr. Auch bei der Reise nach Manchester war er dabei, und im Bernabéu war er sowieso fast noch häufiger als in seinem geliebten Andalusien.

Im Fussballtempel in Madrid war er oft im Fondo Norte vorzufinden. Denn er war nicht nur langjähriges Mitglied bei berna madridista (Nummer 35), sondern auch bei Orgullo Vikingo. Ihm gefiel es, am Geschehen auf dem Platz mitzuwirken und die Mannschaft stehend zu unterstützen. Aktiver madridismo.

Er bestach aber auch durch sein Wissen über RM und seine Geschichte. Wer mit ihm an unseren Anlässen an Real-Spielen zusammensass, merkte dies. Und für ein Bier in der Halbzeit, während der er mit Bewunderung über sein Idol Fernando Redondo sprach, war er immer zu haben.

 
Am Tag des Champions League Spiels gegen Rom - eines dieser Spiele die er für nichts auf der Welt verpassen würde - hat Real Madrid (das auf unsere Bitte hin ein Kondolenzschreiben an die Familie senden wird) einen madridista, berna madridista ein geschätztes Mitglied, die Berner Young Boys einen Fan verloren. Viel trauriger ist, dass eine Familie, eine Freundin und sehr viele Freunde, darunter manche im Fanklub, einen geliebten und nur 35-jährigen Menschen bei einem tragischen Verkehrsunfall verloren haben. Unser herzlichstes Beileid.

Es ist unfassbar und bestürzend. Vor kurzem ging unser Mitglied Thomas Zürcher nach einem tödlichen Velounfall von uns, nun ist es Humberto Millán Santamaría. Ein tragisches Jahr. Morgen Samstag, 1. Dezember, vor dem gemeinsamen Schauen des Spiels gegen Valencia, wird es eine Schweigeminute geben. Und alle, die Zuhause schauen, sollen es doch gleichtun. Humberto, der am 30. November 36 geworden wäre, und Thomas, hätte es sicher gefreut. Sie werden nun zusammen mit RMCF mitfiebern.

Ihr seid beide nicht mehr da, wo ihr wart. Aber ihr seid überall, wo wir sind.

berna madridista