Sonntag, 13. April 2014

Wenn wir Fan$ nur noch Kunden sind


Real Madrid hat letzten Freitag die Ticketpreise für das Halbfinal-Hinspiel gegen Bayern München bekannt gegeben. Wer sie noch nicht gesehen hat, soll sich jetzt lieber festhalten:

Die günstigsten (vierter Ring, hinter dem Tor), 70 euro. Die teuersten (Tribüne, unten auf der Seite) 325 euro. Zum Vergleich: In München kosten sie zwischen 40 und 150 euro. Berücksichtigt man noch die Wirtschaftskrise in der Spanien steckt und die viel höheren Löhne in Deutschland, sollte eigentlich jedem dämmern, dass da was nicht stimmt. Oder findest Du diese Preise normal?

Real Madrid C.F. als Unternehmung. Es gibt nicht wenige madridistas, die dieses Konzept gutheissen. Sehr häufig wird aus ökonomischer Sicht die Rentabilität des Klubs angepriesen. Was viele aber nicht sehen – oder nicht sehen wollen – sind die hohen Kosten, die damit verbunden sind. Denn es ist ansonsten nicht in den Kopf zu kriegen, weshalb Real-Fans mit den überteuerten Ticketpreisen einverstanden sind und dies damit begründen, dass wir „halt eine Unternehmung sind und dies normal ist“. Denn, so lautet deren Argumentation, stellen die Ticketeinnahmen eine essenzielle Einkommensquelle dar. „Wenn wir C.Ronaldo haben wollen müssen wir halt auch solche Preise bezahlen.“ Sie irren sich. Die Einnahmen aus den Tickets stellen für einen Klub mit der Grösse und der Merchandising-Stärke Real Madrids einen eher kleinen Teil des Jahres-Budgets dar (28%). Die Einnahmen aus TV- und -Markenrechten, Werbeverträgen und Produktverkäufen sind viel grössere Einnahmequellen. Der Mehrwert der überteuerten Tickets ist dabei viel geringer als die Kosten:

Ultrassur protestiert gegen ihren Rauswurf
Denn die soziale Masse Real Madrid ist immer wie schwächer. Aus purem Eigeninteresse werden die Preise erhöht. Madridistas, die jahrelang Woche für Woche ihre Mannschaft angefeuert haben, werden im Rahmen von „Restrukturierungen“ von ihren Plätzen verwiesen. Hunderte von aktiven Real Fans des Fondo Surs haben GRUNDLOS (gemeinsam gehen sie gerichtlich gegen die Direktion vor und haben in ersten Fällen bereits Recht erhalten) ihr Saison-Abo verloren. Und diese aus preislichen oder Klub-politischen Gründen freigewordenen Plätze werden eingenommen von Touristen oder pseudo-madridistas, die die eigene Mannschaft auspfeifen und höchstens Mal aufstehen um den Iniesta zu beklatschen.

"Fussball am Montag? Nein danke!" Die Fan-unfreundlichen Anspiel-
Tage und -Zeiten: Eine weitere Konsequenz des Business-Wahns.
Dass sich das Bernabéu trotz teuren Tickets füllt? Aber natürlich. Die Dimensionen und die Berühmtheit dieses Klubs machen, dass es immer Leute haben wird, die das Geld dazu haben. Selbst wenn wir alle Plätze durch VIP-Logen ersetzen, wird das Stadion gut gefüllt sein. Aber: Heisst das auch, dass das gut ist? Ist es das Beste für den madridismo? Sind wir ein Fussballklub oder die Social Area Gutbetuchter?


Die aktuelle Führungsriege basiert ihr Projekt auf die Einnahmen und vergisst dabei die echten Fans. Sie lädt Politiker in die VIP-Logen ein, gibt Journalisten, die trotzdem nur Unruhe in den Klub bringen und ihre eigenen Ziele verfolgen, einen privilegierten Zugang. Den Anhängern, die den Klub unterstützen, die nur Kritik aus der Leidenschaft heraus äussern, die die Mannschaft auch in schwierigien Momenten nicht abschreiben, die nicht jede Massnahme gleich hinterfragen (wie z.B. die Medien), ihnen dreht der Klub den Rücken zu.

Was bringt es denn, ein wirtschaftlicher Riese zu sein, wenn die Basis, DIE FANS, immer wie mehr in den Hintergrund gerät? Sieht man denn nicht, wie im aktuellen Fussball immer wie mehr Klubs zurück zu ihren Fans finden? Wie in Deutschland die Kurven unterstützt werden und die Stadien mit fairen Preisen mit Leidenschaft gefüllt werden?

Das glänzende Projekt von Florentino Pérez wird uns als „das Beste für RMCF“ verkauft. Aber dabei scheint die Führungsetage vergessen zu haben, dass RMCF den Fans gehört. Etwas, das schon lange nicht mehr zählt: Mittlerweise sind wir nicht mehr als ein Anhängsel.




Florentino, Real Madrid ist nicht dein Spielzeug!

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